Berufskrankheiten-Begutachtung

MedDir a. D. Dr. Müsch: (Landes-) Sozialgerichtsgutachter

Im BK-Verfahren ist leider für die Betroffenen oftmals eine Klage gegen den eigenen BK-(Pflicht-)Versicherungsträger (z. B. sog. "Berufsgenossenschaften"/"Unfallkassen") vor einem Sozialgericht unausweislich. Während dort auf der Be-klagtenseite der Unternehmer quasi von  der "BG" als seinem Unternehmerhaftpflicht-Versicherungsträger (vgl. § 104 SGB VII)vertreten wird - der darüberhinaus (auch selbst vor Gerichten) quasi als Herr des Verfahrensauftritt - sind die Versicherten umso mehr von der Unabhängigkeit der medizinischen Gutachter abhängig:


Daher ist es für Betroffene von entscheidender Bedeutung, dem Sozialgericht nach § 109 Sozialgesetzbuch (SGG) einen Facharzt ihres Vertrauens vorzuschlagen (s. u.)!

 

Die BK-Begutachtungssystematik vor Gericht läßt sich wie folgt schematisch darstellen:

 KAUSALITÄTSNEXUS (I + II) →III

I 

Arbeitstechnische Voraussetzungen für die Entstehung einer BK
Tatbestandsmerkmal Einwirkung: Vollbeweisforderung!
(Begutachtung durch Sachverständige der Staatlichen Gewerbeaufsicht)

II 

Fachärztliche Diagnose-Sicherung nach klinischen Fachgebieten 
Tatbestandsmerkmal Krankheit: Vollbeweisforderung!
(Begutachtung ggf. auch durch Rechtsmediziner)

III 

Fachärztliches arbeitsmedizinisches BK-Zusammenhangsgutachten (I + II)→  III

Hinweis: Das Gericht erforscht die Sachverhalte ad I und ad II von Amts wegen (Untersuchungsmaxime) nach § 103 Sozialgerichtsgesetz (SGG).

  

ACHTUNG: Neuer Schwerpunkt!
SPRUNGREVISION (§ 161 SGG) zum Bundessozialgericht (BSG)

"Gegen das Urteil eines Sozialgerichts steht den Beteiligten die Revision unter Übergehung der Berufungsinstanz (*) zu (...)"  / (*) Landessozialgericht/LSG

Literaturempfehlungen

Müsch, Franz H.

Berufskrankheiten - Ein medizinisch-juristisches Nachschlagewerk

Schweigler, Daniela

Das Recht auf Anhörung eines bestimmten Arztes (§ 109 SGG)

Dogmatische Einordnung und sozialgerichtliche Praxis eines umstrittenen Prozessinstruments
Univ., Diss., München 2012 / Nomos, Baden-Baden 2013

Müsch, Franz H.

Berufskrankheiten-Begutachtung (EDITORIAL)

Arbeitsmedizin (ASU), 539-540, 2015

Tatbestandsmerkmal
Einwirkung

Bei Differenzen zwischen der Berufsanamnese des Versicherten und der Pflichtexpertise der beklagten BG zu den arbeitstechnischen Voraussetzung für die Entstehung  einer Berufs-krankheit sollte das Gerichtim Sinne der Amtsermittlungspflicht einen neutralen und unabhängigen Sach-verständigen berufen.

Tatbestandsmerkmal
Krankheit 

Die Gutachterauswahl zur klinischen Diagnosesicherung - z. B. durch einen Pneumologen - unterliegt ("eigentlich") der (Fach-) Ärztlichen Weiterbildungsordnung (Kammerrecht!). 

Arbeitsmedizinisches
BK-Zusammenhangsgutachten 

Gewerbeärzte sollten "Nach Vorliegen aller Ermittlungsergebnisse..." (§ 4 Abs. 4 BKV) ein BK-"Zusammenhangsgutachten" erstellen, darüberhinaus kommen nach der (Fach-) Ärztlichen Weiterbildungsordnung dafür ausschließlich Arbeitsmediziner in Frage, die aber bei Gericht leider oftmals zu BK-Fragen gar nicht gehört werden.

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